Statt menschlicher Anlageberater wählen Algorithmen passende Investments nach den Vorgaben des Kunden aus – Die Zukunft der Finanzbranche?

Angefangen hat alles in den USA und zwar im Jahr 2008 und mit dem Namen „Betterment“. Mittlerweile verwaltet der amerikanische Robo Advisor mehr als sieben Milliarden Dollar – Tendenz steigend. Robo Advisor schießen derzeit in Form von Tech-Startups wie Pilze aus dem Boden. Ihr Ziel: Sparer, die sich nur ungern mit Finanzen beschäftigen und am liebsten alles online erledigen, mit Hilfe von intuitiv bedienbaren Oberflächen zum Investieren animieren.

Während funktional vergleichbare Software zwar schon in den 90er Jahren vorhanden war, stand diese damals nur Vermögensverwaltern zur Verfügung. Robo Advisor ermöglichen nun mit Hilfe des Internets den Direktzugriff auf diese Funktionen durch den Endkunden und sollen so ein Angebot für Jedermann sein. Das Wichtigste zum digitalen Anlageassistenten nachfolgend im Überblick:

In den USA noch am weitesten verbreitet

Wo er seinen Anfang nahm, ist er auch am verbreitetesten: Die Technologieaffinität in den USA verhalf dem Robo Advisor aus den Kinderschuhen und macht ehemalige Startups zu mittlerweile bekannten Marken.

 

Aktive und passive Robo Advisor

Grundsätzlich lassen sich die Online-Anlageassistenten in zwei Kategorien unterscheiden: „aktive“ und „passive“. Bei den passiven Robo Advisoren bleibt die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen im Portfolio unabhängig von der Marktsituation immer gleich und es wird nur in regelmäßigen Abständen rebalanciert. Die Aktiven auf der anderen Seite passen das Portfolio automatisch der aktuellen Marktsituation an und verfolgen damit einen dynamischen Ansatz. Beide Ansätze überwachen das Portfolio, um es im vorher vom Kunden definierten Risikobereich zu halten.

 

Die fehlende Banklizenz

Robo Advisor haben selbst meist keine Banklizenz. Stattdessen agieren sie oftmals in Zusammenarbeit mit einer Partnerbank, die das entsprechende Depot, in dem die Vermögenswerte gehalten werden, führt und die Transaktionen durchführt. In der entsprechenden Bank liegt das angelegte Geld als „Sondervermögen“ und ist somit vor fremdem Zugriff oder im Falle einer Bankinsolvenz geschützt.

Nach und nach entwickeln auch traditionelle Banken und Finanzdienstleister vergleichbare, eigene Angebote. So zum Beispiel die schweizer UBS mit ihrem „UBS Advice“ (2015) oder als eine der ersten deutschen Banken die Comdirect mit dem Robo Advisor „Cominvest“ (2017).

 

Kosten reduzieren mit Robo Advisor

Robo Advisor können ihre Kosten niedrig halten indem sie Prozesse automatisieren und günstige Anlageprodukte wie ETFs (also meist Indexfonds) nutzen. Sie verlangen daher vergleichsweise eher geringe Gebühren und können für die Anlage kleinerer Vermögen genutzt werden – oft beträgt die Mindestsumme, die Kunden anlegen können, weniger als 10.000 Euro.

Die Online-Anlageassistenten hängen weder von menschlicher Intuition, noch von Emotionen ab. Dem Kunden werden die scheinbar passendsten Produkte empfohlen und nicht die, die am meisten Provision bringen. Alle Entscheidungen werden auf rein faktischer Grundlage getroffen und sollen so risikoärmer sein.

Robo Advisor boomen! Bis 2020 soll laut Experten das global verwaltete Vermögen auf 500 Millarden Dollar steigen – die 100 Milliarden-Grenze wird wohl noch dieses Jahr geknackt werden.

 

Nachteil und Risiko

Soweit so gut. Allerdings bergen natürlich auch Robo Advisor gewisse Risiken. So etwa hat die Maschine gegenüber dem Menschen den Nachteil, dass sie nicht abschätzen kann, ob der Kunde ausreichend informiert ist, alles verstanden hat und sich genügend Zeit gelassen hat um eine Entscheidung zu treffen. Anleger könnten ihr eigenes Wissen überschätzen und dadurch ein für sie eigentlich eher ungeeignetes Produkt erwerben. Außerdem sollte man sich vor der Nutzung eines derartigen Online-Tools gut überlegen, ob man solch persönliche  Daten von sich im Internet preisgeben möchte.

 

Investieren ohne in die Tiefe zu gehen

Alles in allem lässt sich sagen: Natürlich sind Robo Advisor nicht perfekt. Doch eine Anlage sollte man auch nicht Hals über Kopf tätigen. Und das nötige Wissen kann man sich im digitalen Zeitalter sehr gut selbst aneignen – Verkaufsgespräche, die sich meist nach den Interessen der Bank richten und nur schwer zu verstehen sind, braucht man dazu heute nicht mehr. Wer investieren möchte ohne sich allzu tief mit der Materie beschäftigen zu müssen, sollte also definitiv einen zweiten Blick auf die Robo Advisor werfen.

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