Das regelmäßige Interview-Format auf unserem Blog ist benannt nach unserer Lieblingspause – der Kaffeepause. Hier haben wir Zeit durchzuatmen, kommen im Tag an und tauschen uns mit Kunden, Kollegen und Partnern aus. In unserer Reihe „Kaffeepause – im Chat mit …“ sprechen wir mit Denkern und Lenkern aus unterschiedlichen Bereichen wie z.B. Kommunikation, Marke, Innovation oder Produktentwicklung und geben Ihnen durch den Austausch spannende interdisziplinäre Impulse mit.

Jeder Chat der Kaffeepause gibt einen Einblick in die unterschiedlichen Facetten der Transformation von Unternehmen – auf die unangenehmen, die schlechten und die guten. In dieser Kaffeepause sitzen wir zusammen mit Christian Frick. Christian berät Unternehmen seit 20 Jahren in der Marken- und Marketingkommunikation und ist Gründer des Netzwerks buero-mk. Christian und ich tauschen uns heute darüber aus, wie sich die Kommunikation, Kultur und Technologie von Unternehmen den Herausforderungen der Digitalisierung stellen müssen und welche Antworten es auf diese Herausforderungen geben kann.

Co·Impulse:
Christian, inwiefern beeinflusst die Marken – und Marketingkommunikation die digitale Transformation?

Christian Frick:
Die Marketingkommunikation hat relativ lange geschlafen was die Digitalisierung betrifft und ist dann aber mit Macht aufgewacht. Konzerne wie Google und Amazon haben relativ schnell begriffen, dass sie die digitale Kommunikation für sich nutzen müssen, während viele mittelständische Betriebe bis heute nicht damit umgehen können.
Durch eine starke Wechselbeziehung ist die Marketingkommunikation auf digitale Kanäle angewiesen. Schlagworte wie Social Media oder Affiliate Marketing gab es früher nicht. Diese haben die Marketingkommunikation beeinflusst und tun das weiterhin. Auf der anderen Seite treiben die Agenturen die Digitalisierung immer weiter voran. Zunächst war da die Digitalisierung, die aber noch komplett unbeeinflusst von Marketingkommunikation war. Mittlerweile ist es aber so, dass die Marketingkommunikation die Digitalisierung vorantreibt. Ohne dass ich es jetzt belegen kann, glaube ich, dass einige Modelle die es gibt (z.B. Affiliate Marketing) von der Marketingkommunikation beeinflusst wurden.

Co·Impulse:
Du hast eben auch Google und Amazon angesprochen, die ja ihrerseits auch Technologien vorantreiben. In den Medien werden viele Technologien wie BigData, Blockchain, RoboAdvisor oder VR bespielt. Welche Technologien werden die Marken- und Marketingkommunikation künftig am meisten beeinflussen?

Christian Frick:
Blockchain lässt sich, in technologischer Hinsicht, von der Marketingkommunikation überhaupt nicht beeinflussen. Was die Marketingkommunikation beeinflussen kann, sind die Kanäle wann immer jemand auf digitalem Wege versucht sich oder seine Produkte zu verkaufen. Die Marketingkommunikation ist immer auf der Suche nach neuen Tools. Früher waren es Plakate, irgendwann mal eine Litfaßsäule, dann Bandenwerbung. Das war in der Steinzeit der Werbung (schmunzelt). Heutzutage geht das viel schneller. Marketing sucht sich Medien und ist ebenso darauf angewiesen was aus der digitalen Entwicklung kommt. Ich glaube nicht, dass ein digitales Medium das Licht der Welt erblickt hat, weil die Marketingkommunikation es erfunden hat.

Co·Impulse:
Welchen Einfluss hat der digitale Wandel auf die Kultur der Unternehmen?

Christian Frick:
Da kann ich Dir ein live-Beispiel von einem großen Mobilitätskonzern für den ich arbeite erzählen. Ich glaube, es ist stellvertretend für das was gerade passiert. Dass sich, platt ausgedrückt, die Menschheit keinen Gefallen getan hat mit der Digitalisierung! Sie muss jetzt verstärkt lernen damit umzugehen, weil man durchaus von Opfern der Digitalisierung sprechen kann. Konkret hat dieses Unternehmen mindestens sieben mögliche Kommunikationskanäle. Das fängt logischerweise an mit Email, dann gibt´s Intranet mit einem SharePoint, Skype, ein weiteres Chat Tool, What´s App – Gruppen und was Dir noch so einfällt. Das wurde alles relativ kritikfrei angenommen, logischerweise mit Konzernauflagen.

Die Menschen die damit arbeiten sind alle durch die Bank damit überfordert. Mitarbeiter sagen sie bekommen gefühlt 100-200 Emails und sind dann noch angehalten über die anderen Kanäle zu kommunizieren. Dadurch herrscht gerade eine große Überforderung. Ich mache dort Kommunikationsworkshops wo es darum geht die Kommunikation im Unternehmen zu optimieren. Wir betrachten wie die Struktur im Haus ist, wie die Form der Kommunikation ist und wie die Inhalte. Alle drei Säulen müssen optimiert werden. Ein wichtiger Punkt ist es hier zu strukturieren und zu se-anonymisieren. Es ist keine Face-to-Face-Kommunikation wie sie früher viel, viel häufiger stattgefunden hat. Das Verhältnis zur unpersönlichen Kommunikation über den Bildschirm zur persönlichen Auge-in-Auge-Kommunikation hat sich extrem verändert. Und wir wissen, dass Menschen  wenn Sie nicht direkt mit jemandem kommunizieren sondern mit dem Bildschirm, sich anders verhalten. Das ist auch etwas was die Kommunikationskultur in Unternehmen verändert hat.

Da kann man über den Ton nachdenken, die Freundlichkeit, oder die Knappheit des Tons. Es geht aber auch so weit, dass Verantwortung viel leichter abgegeben werden kann, wenn ich mich nicht direkt unterhalte. Ich schreibe eine E-Mail, setze 10 Leute in Kopie und bin 10-mal aus dem Schneider. Bedeutet, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, hat stark abgenommen. Ich glaube dass es dadurch komplizierter ist als es früher war. Die Abwicklung von Arbeitsabläufen wird verlängert obwohl uns erzählt wird, wie viel Zeit wir mit dem Computer sparen. Mit meinem Programm soultalks.de biete ich Lösungen für solche Herausforderungen.

Co·Impulse:
Wie müssen sich dann Mitarbeiter, Management und Führung in der Digitalisierung / Industrie 4.0 verändern?

Christian Frick:
Ich glaube ich kann Dir nicht sagen wie die sich verändern müssen. Wir werden alle mitbekommen wie es sich gerade verändert. Ich gehöre nicht zu der Generation der „Digital Natives“. Für mich ist der Computer irgendwann ins Leben gekommen und ich musste dann lernen damit umzugehen. Während meine Kinder damit aufwachsen und ganz anders damit umgehen. Das was uns teilweise schockiert, wie diese z.B. in Whatsapp miteinander kommunizieren (aus unserer Sicht geht das gar nicht). Ich glaube wir können uns da ganz entspannt zurücklehnen. Die wissen viel besser, effizient und eloquent mit den Medien umzugehen.

Die Probleme die wir heute haben, aus einem Old School Gedanken heraus „…das ist ja nicht höflich…“, „…das ist kompliziert…“, „der kann ja nicht mal richtig Deutsch…“, ich glaube das wird´s nicht mehr geben. Die Menschen werden sich anpassen. Ich glaube die digitale Transformation findet schon die ganze Zeit statt. Man könnte auch ganz entspannt sein und es einfach laufen lassen. Ich denke was wir tun müssen, wenn wir den Menschen in unserem Alter (ab 40Jahre) helfen wollen die digitale Transformation zu gestalten, ist es sich mit den Medien, mit den Inhalten zurechtzufinden und zu strukturieren. Ich glaube auch, dass es in 10 Jahren für niemanden mehr ein Thema ist. Solche Situationen gab es vorher auch schon wo den Menschen geholfen werden musste. Als Beispiel waren die „Beweglichen Lettern“ kein Werk des Teufels, sondern dienten dem Fortschritt (lacht).

Co·Impulse:
Du hast jetzt die Druckmaschine angesprochen mit der dann auch eine Massenproduktion möglich war. Produkte sollen trotz Massenproduktion individueller und flexibler werden, wie kann Kommunikation dabei unterstützen?

Christian Frick:
Ich würde die Frage in Richtung Prozessmanagement schieben und sagen „das müsst Ihr Euch überlegen“(schmunzelt). Ich denke es ist möglich und denke auch es ist ein psychologisches Phänomen, das gut gemachte Marketingkommunikation mir als Mensch vermittelt, dass dieses Produkt speziell für mich gemacht ist, indem es meine Motive anspricht. Der Absender sollte seine Zielgruppe so genau kennen, mit Ihren Wünschen, Bedürfnissen und Motiven, dass er eine große Gruppe von Menschen so ansprechen kann, damit es für ihn persönlich erscheint.

Am Ende hat es auch etwas mit der Intelligenz des Verbrauchers zu tun. Ich glaube schon, dass es Menschen gibt die sich so stark mit einem Massenprodukt identifizieren, dass es für Sie hoch individuell ist. Jetzt wird’s schon fast etwas esoterisch. In unserer Gesellschaft ist es so, dass sich Menschen viel zu stark mit Dingen identifizieren als mit Ihrer Persönlichkeit. Evtlentuell ist die Marketingkommunikation für dieses Verhalten auch mitverantwortlich. Man kann´s auch negativ betrachten. Es ist Manipulation. Aber jeder seriöse Werbe-Mann wird Dir sagen: „klar manipuliere ich. Ich möchte ja, dass jemand etwas kauft, was er eigentlich nicht braucht“. Wenn mir heute jemand ein iPad verkaufen möchte, dann ist das manipulativ, was auch in Ordnung ist (beide lachen).

Vielen Dank für Deinen Input. Hat mich sehr gefreut, heute mit Dir sprechen zu können und gemeinsam den Kaffee zu genießen. Dir weiterhin viel Erfolg! Das war Björn von Wackenitz und Christian Frick in der Co ·Impulse Kaffeepause.

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